Messer – Eine unterschätzte Bedrohung?

Im Ninpo / Ninjutsu und im Ju-Jutsu ist der Fokus im Training auf die kommenden Prüfungen im Sommer gerichtet. Als Kampfkunst und Möglichkeit zur Selbstverteidigung blickt ein Auge aber auch immer auf aktuelle Konfliktsituationen und „Trends“ bei Gewaltakten.

Wir müssen uns oft anhören, „Ju Jutsu ist wie Judo nur mit Treten und Schlagen“ oder „Ninjutsu ist wie Aikido, nur mit Wurfsternen“. Wir möchten beide Aussagen nicht bewerten, allerdings sind sowohl Ju-Jutsu als auch Ninpo Systeme, die funktionieren müssen und dies auch tun!

Seit 2023 gab es eine Zunahme von Messerangriffen in Deutschland, der sogenannten Messerkriminalität. Darunter fallen Situationen, in denen gezielt ein Messer mitgeführt wird, um ein Delikt zu begehen (bspw. Körperverletzung oder Raub), aber auch psychische Ausnahmesituationen, in denen etwa eine psychisch kranke Person auf eine oder mehrere Personen einsticht. Ebenso fallen Situationen unter Messerkriminalität, in denen ein Messer mitgeführt wird, aber nicht geplant ist, dieses einzusetzen. Hier kommt es dann aber bei einer Eskalation oder im Falle eines Konfliktes schneller zum Einsatz, da es „gerade verfügbar“ ist. 
Selbst kleine Messer können schwere Verletzungen hervorrufen oder im schlimmsten Fall sogar tödlich sein. Auch Stich- oder Schnittverletzungen an Armen oder Beinen können binnen kürzester Zeit lebensbedrohlich werden.

Warum immer mehr Menschen ein Messer mit sich führen, ist nicht genau geklärt. Neben „kulturellen“ und sozialen Aspekten, sind Angst und Männlichkeitsnormen zentrale Faktoren. Man hat den Eindruck, ein Messer dabei haben zu müssen, um sich verteidigen zu können, beziehungsweise weil das bloße „Dabeihaben“, andere abschreckt. Ebenso findet eine Zelebrierung von vermeintlicher Männlichkeit statt : Ein „schaut her, ich bin stark, ich habe eine Waffe“!

Wer ein Messer gegen eine andere einsetzt, hat immer Tötungsabsicht oder nimmt es zumindest in Kauf, andere tödlich zu verletzen.
Grundsätzlich gilt es, die richtige Balance zwischen Paranoia und Sorglosigkeit zu finden. Durchs Leben zu gehen und zu denken „mir kann nichts passieren“, ist naiv!

Da sowohl der Umgang und der Kampf mit Klingenwaffen als auch mit Stock oder Kette Bestandteil des regulären Ninpo und des Ju-Jutsu im Holler Dojo sind, fließt die Messerthematik flüssig in unser Training ein. Wir wollen dabei wenig traditionelle Abwehrmechanismen, welche nach Meinung unserer Trainer nicht mehr zeitgemäß sind, trainieren, sondern bedienen uns Messerkampfmustern verschiedener militärischer- und Spezialeinheiten. Immer mit der Prämisse, es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommen zu lassen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht!

In Kooperation mit dem Meller Kampfkunst-Ausrüster Budokonzept, darf sich die Ninjutsu- und Ju-Jutsu-Sparte über einen neuen Tori/Kamiza (Schrein) freuen, welcher in den nächsten Wochen auf der Ostseite des Dojo installiert wird. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal Ralf Kruckemeyer und dem ganzen Budokonzept-Team unseren Dank ausrichten.



Christiane Beelmann und Tim Willemsen